Dienstag, 24. Februar 2009

Amerikanisches Dating: Teil 1

Da ich ja als Single in die USA gereist bin werde ich sicherlich (oder hoffentlich *lach*) auch so manche Erfahrung bezüglich des American Way of Dating sammeln. Daher starte ich jetzt einfach mal eine Berichtserie darüber. Im Moment über die Theorie aus meiner Sichtweise...

Dating in den USA ist irgendwie anders! Diese Beobachtung machte ich bereits während meines Highschool-Aufenthaltes 2002/2003. Während deutsche Teens Zettelchen mit "Willst du mit mir gehen? Kreuze an: Ja O Nein O Vielleicht O" die ganze Sache unkompliziert angehen, fällt das hier sehr komplex aus.

Findet man jemanden interessant, so versucht man in Phase 1 einzusteigen. Phase 1 heißt hier "Talking!". Auf die Frage ob Junge und Mädel miteinander gehen, bekam ich dann desöfteren die Antwort "We're talking", was soviel bedeutet wie "Nein, nicht wirklich, aber wir reden uns vielleicht eines Tages zu diesem Punkt."

"Talking" kann ein sehr kurzer oder auch sehr langwieriger Prozess sein. Bei manchen stellte sich während dieser Phase heraus, dass der andere doch gar nicht sooo interessant ist. Anderen dauerte das "Talking" einfach zu lange und so suchte man sich einen neuen potenziellen Kandidaten für Phase 2 und talkte eben mit dem weiter. Wieder Andere mussten ganz ausführlich talken um auch alle Aspekte zu klären bevor es in die nächste Phase ging. Körperkontakt ist in dieser Phase unüblich. Immerhin geht es ja um die Kommunikation!

Phase 2 ist dann "Seeing". Auf die Frage ob zwei Menschen zusammen sind, bekommt man dann als Antwort "We're seeing each other", was soviel heißt wie "Möglich!?". "Seeing" ist die Phase, in der der junge Mann in Hollywood Filmen die junge Dame von den Eltern abholt um mir ihr ins Kino, Restaurant oder auf die Kirmes zu gehen. Während Phase 1 in Schule, auf Arbeit oder über Telefon oder Internet stattfindet, involviert Phase 2 also andere Schauplätze. Hierbei kommt es dann auch zum Körperkontakt zwischen den zwei sich "sehenden" Menschen, was im Bible Belt der USA (streng gläubiger Streifen, der sich durch die Südstaaten zieht) natürlich NICHT (!!!!!) übers Küssen hinaus geht... Ich fange gar nicht erst an über das Videotape einer Party zu reden, welches in Kopien an meiner Highschool in Nordalabama die Runde machte und weshalb zwei Teens zum Direktor gepfiffen wurden und wo eine Waschmaschine die Nebenrolle einnahm.... ähem...

Diese Phase des "Seeing" wird dann auch irgendwann mit "Dating" gleichgesetzt, immerhin hat man ja Dates, also Verabredungen, was hauptsächlich daraus resultiert, das man gefälligst nicht zusammen wohnt, bis man verheiratet ist. Also muss man sich verabreden um sich zu sehen. Diese Phase hat zwei Ausgänge und dauert mitunter etliche Jahre. Entweder entscheidet sich dann einer der Beiden doch wieder das Talking mit jemand Anderem aufzunehmen, oder aber der arme Bub hat mindestens 1500,-USD für den kleinsten Ring zusammen gespart und macht seiner Dating-Partnerin einen Antrag. Dann hat das "Seeing" ein absehbares Ende, welches die Hochzeit mit sich bringt.

Im Wesentlichen unterscheiden sich Deutsches und Amerikanisches Dating meiner Meinung nach im Zeitpunkt der zwei Phasen. In Deutschland "sieht" also dated man sich erst und wenn's mit dem Händchen halten und Küssen irgendwann langweilig wird, fängt man das Talking an, wobei man dann vielleicht feststellt, dass das "Seeing" irgendwie Zeitverschwendung war...

Im Doppelstockbett im Hostel lag ein Anfang 20-jähriges Mädel aus Boston über mir. Sie befindet sich mitten in der Phase des Talking, was meine Feldstudien näher an die Praxis heranführte. Ich sag euch, das scheint anstrengend zu sein! Da lag sie nun jeden Abend (okay, ich war nur zwei Nächte da) und telefonierte stundenlang über Handy mit jemandem in Boston während alle anderen schliefen. Als ich irgendwann aufwachte, war sie immer noch dabei. Und ich muss sagen, dabei ging es wirklich um sehr tiefgründige Dinge, von dem was ich so mitbekam. Manches fand ich schon beinahe zu tiefgründig... Jedenfalls war die Arme dann so erschöpft vom Talking, dass sie am nächsten Morgen bis um 11 Uhr schlief, während alle anderen bereits um 8 Uhr beim Frühstück waren....

Ja, dass ist schon alles nicht so einfach mit den zwischenmenschlichen Beziehungen von Männern und Frauen.

Ich bin gespannt wie es weitergeht mit meinen Feldstudien diesbezüglich.
Für heute aber erst einmal: GUTE NACHT!


Kommentare:

  1. Guter Beitrag! :-) Das mit dem "Talking" und "Seeing" und "Dating" wusst ich nicht sooo genau. Aber als ich meinen Liebsten kennen lernte war auch vieles fuer mich neu denn ich hatte nie zuvor einen amerikanischen Freund. ^^ Vielleicht liegts an ihm, aber mir gefaellt das Daten eines Amis weitaus bessre als das mit Deutschen. lol
    Und was den Ring betrifft...erwarten die Frauen da nicht einen Ringe fuer den 2-3 Monatsgehaelter drauf gehn? Hab da schon abenteuerliche Stories gehoert und ich hab meinem Liebsten gleich verklickert, dass ich keinen Ring will der tausende kostet. Da war er erleichtert lol

    Freu mich auf weitere Berichte! Keep it up! :-)
    Gruessle aus dem kalten Maine.

    AntwortenLöschen
  2. Hihi... na bei einem College-Studenten sind 1.500 $ ja oft schon 3 Monatsgehälter. Damit geben sich dann auch ein paar Mädels zufrieden. Ansonsten hast du recht. In AL hab ich öfters mal bei ein paar Schmuckhändlern ins Fenster geschaut. Da waren die "billigen" Ringe absolut in der Minderheit und ab 3000,-$ aufwärts kamen dann die Hübschen :)

    Also dafür sollte nun wirklich keiner einen Kredit aufnehmen...

    AntwortenLöschen
  3. Also, mir hat hier jemand erzaehlt, zum Lunch darf man einladen; laedt man jemanden zum Diner ein, heisst das: ich will danach mit Dir in die Kiste.. Und das geht ja erst nach jahrelangem Ankucken....

    Irgendwie sind die Amis sowas von verklemmt....

    AntwortenLöschen
  4. Aber doch nicht alle Thilo! Hattest Du es vielleicht mit sehr religioesen Amerikanern zu tun?

    AntwortenLöschen
  5. würde gerne wissen wie es Jenny und Ihrer Tochter jetzt geht??? Weiss das jemand?? lg Sanne

    AntwortenLöschen